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Scham, Schuld und Schande erlösen

Gedanken, Erlebnisse und Gefühle
zu Stephan Konrad Niederwieser
mit dem Thema „Trauma und die Rolle der Scham“

Ein Bericht von Felicitas Noorolah Zadeh

Die Erkenntnis trifft mich wie ein Blitz. Plötzlich weiß ich, warum ich in wichtigen Lebensthemen so unerklärlich blockiert bin, mich selbst dauernd sabotiere und warum bisher keine meiner Strategien dauerhaft geholfen hat.“ Felicitas Noorollah Zadeh hat am ersten Online-Kriegsenkel-Kongress teilgenommen und nutzt das Kongresspaket, dessen reichhaltige Erkenntnisse sie immer wieder tief berühren. Die Themen „Scham“ und „Heilschreiben“, die Stephan Konrad Niederwieser behandelt, haben sie besonders beeindruckt.

„Schäm dich!“ Ein diffuser Befehl. Die Anweisung, mich klein zu machen, unsichtbar, weil ich nicht gut bin, wie ich bin. Ich sollte anders sein, so wie es die „Großen“ wollen.

„Schäm dich!“ ist eine Aufforderung, die tiefe Risse in der Seele hinterlässt. Auch andere Botschaften haben mich ausgebremst, aber keine hat mich mehr erniedrigt als „Schäm dich!“ Das kreative, vor Ideen überschäumende Kind wurde still. Es lauerte auf eine Gelegenheit, anerkannt, gesehen und geliebt zu werden. Und wenn sie kam, ließ ich sie verstreichen. Aus Angst, ich könne zurückgewiesen werden, weil ich „zu viel forderte“. Aus Scham, ich könne mich – und noch schlimmer: „meine Leute“ blamieren. Ein wertloses Geschöpf, das überzeugt war: „wenn mir überhaupt etwas zusteht, dann nur das Überleben. Ich darf existieren und funktionieren. Mehr nicht. Irgendwann habe ich den Respekt vor mir und anderen verloren.

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Schuldig

Lange war ich mein schärfster Richter. Niemand war so böse, schlecht, schmutzig, peinlich wie ich. Weil ich sowieso ein hoffnungsloser Fall war, ging ich in eine sehr subtile Rebellion und „sündigte“ heimlich, wann immer es ging. Die Genugtuung war meist schnell vorbei. Gewissensbisse plagten mich, ich fühlte mich seelisch beschnitten und begann, weniger zu essen.

Weil ich mich so abgrundtief schämte und so viel „Schuld auf mich geladen hatte“, faszinierten mich Religion und Strafe. Wenn etwas Schmerzliches passierte, war das die gerechte Vergeltung von ganz oben für meine Sünden. Selbst schuld. Gott habe ich als zynischen, grausamen Herrscher empfunden, der alles wusste, der nur darauf wartete, dass ich wieder mal was falsch machte, und der sich einen Spaß daraus machte, sich Maßregelungen für mich auszudenken. Auch meine Ahnen waren bedrohlich-präsent, in einer für mich unsichtbaren, nicht beeinflussbaren Sphäre. Kontrollierten alles, waren überall dabei. Vor der Beichte zerfleischte ich mich regelrecht in Schuld und Scham und schrieb lange Listen meiner Verbrechen. Als Kind! Ich war in der Falle.

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Ventile als Ausweg
Mein Lächeln fror ein, wurde zur undurchsichtigen Maske. Tumoren entwickelten sich in meinem ganzen Körper – genetisch bedingt, wie sich später herausstellte. Viele meiner Familienangehörigen sind früh an der gleichen Krankheit verstorben, und Verluste prägten mein Leben: ich verlor Menschen, Körpergewicht, Selbstachtung, Lebensfreude, Gesundheit, Geld.

Die Tumoren waren grenzenlos, haben sich unkontrolliert ausgebreitet und mein gesundes Gewebe vernichtet, damit das, was ich wirklich bin, nicht aus mir herauskommen kann. Tumoren als Lehrer und Richter, verzweifelte Hilfeschreie von Körper und Seele. Weil ich mich klein machte, zeigten mir die Raumforderungen stellvertretend, wie man „Raum fordert.“

Besser als andere – Vollgas mit angezogener Handbremse
Meine nächste Strategie: mich aufwerten, besser zu sein als andere. Mir mit Gewalt Anerkennung verschaffen. Jeder war Konkurrent, und ich war atemlos: schneller, höher, weiter, etwas Neues, Eigenes schaffen, die Superlative. Ich „sammelte“ Bewunderer, flüchtete in eine Traumwelt, organisierte Shows, glänzte im Rampenlicht, bot, was bisher nicht dagewesen war, wir bauten ein schönes Haus, ich lebte zu fast 100 Prozent im Außen und stolperte dabei ständig über meine Glaubenssätze: du musst absolut perfekt sein – wirst aber nie gut genug sein! Meine Selbstzweifel verfolgten mich, die Scham, die ich so gut vertuscht hatte, ebenfalls. Brandstifter und gleichzeitig Feuerwehr zu sein ist sehr anstrengend. Obwohl ich perfekt funktionierte, hörte ich innerlich: „Gib’s auf, das wird nichts!“ Dann wurde ich unsagbar müde.

Im Getümmel meines inneren Kampfes habe ich mich verloren. Ich hatte keinen Zugang mehr zu mir selbst. Das Scham-Schuld-Schande-Trauma war meine unbequem-vertraute Komfortzone und wurde „normal“. Scharf begrenzt, blockierend, eng. Die Energie wollte raus; ich begann, meine Handflächen blutig zu kratzen. Mein Tagebuch weiß sehr viel. Es ist ein stiller „Zuhörer“, eine Insel mitten in Verwirrung und Verzweiflung.

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Sehnsucht nach Erlösung
In die Sehnsucht nach Erlösung kam der Kriegsenkel-Kongress, der das Thema aus vielen weiteren höchst interessanten und hilfreichen Perspektiven beleuchtet.

Dass Botschaften und Glaubenssätze früherer Generationen das aktuelle Leben beeinflussen, ja, vollständig infiltrieren können, weiß ich schon lange. Wie fatal sich die Verstrickungen durch Verhaltensmuster und Zellerinnerungen auf weite Teile unseres Lebens und die nächsten Generationen auswirken, war mir erschreckend neu.

Scham ist giftig. Sie provoziert das Gehirn, unkontrolliert Hormone auszuschütten, die uns schaden, wenn wir uns nicht davon reinigen. Viele Betroffene reagieren auto-aggressiv. Chronisch-toxische Scham kann körperliche Schäden auslösen, sogar zu Mutationen der DNA führen. Diese Genveränderungen können sich als Erbkrankheiten manifestieren. Mir dämmert das Ausmaß an subtilem Leiden, mit dem unsere Familie belastet ist. Gut geschützte Geheimnisse, die uns alle langsam vergiften.

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(Er)-Lösungen
Jammern hilft da nur akut, es befreit kurzfristig. Wie können wir dauerhaft dieses Muster unterbrechen, wie ein erlöstes Leben führen? Stephan Konrad Niederwieser präsentiert eine der Lösungen. Das Heilschreiben. In seinem Buch „Das Trauma von der Seele schreiben“ gibt er wertvolle Impulse, die auch aus seiner Aufstellungs-Arbeit kommen:

  • Darf ich das? Bei der Scham geht der Fokus immer nach außen. Was ICH will, wird komplett unterdrückt! Jetzt frage ich mich, wenn etwas Neues in mein Leben will: „bei wem bin ich gerade? Bei mir oder im Außen/in der Ablenkung? Beweise ich oder gestalte ich? Welchen Wert darf ich durch mein Leben in die Welt bringen? Weiß ich überhaupt, wer ich bin und was ich will? Oder habe ich mich daran gewöhnt, gelebt zu werden?“
  • Trauma ist nur dann schlimm, wenn man es nicht erlöst. Dann gärt es weiter, vergammelt, schimmelt. Wenn ich etwas ändere, wird mein InnenLeben frisch und es verändert sich auch ganz viel im Außen. Kleine Korrekturen sind wie ein Hebel mit großer Wirkung. Sog statt Druck. Der Segen kommt zu mir; ich muss ihm nicht mehr hinterherlaufen.

Möge jeder, der sich nach beständig innerer Freiheit sehnt, erkennen, wo seine Blockaden liegen und wie er sie lösen kann, um in seine wahre Lebensenergie zu kommen. Alles ist in uns. Unser Unbewusstes „schützt“ uns davor, es zu erkennen und hält uns in der Komfortzone, in der echte Entwicklung nicht möglich ist. Der Grund: Ent-faltung ist ein riskanter Auf-bruch in Neuland. Die Folge: der „Schutz“ unseres Unbewussten, nämlich Schmerz zu vermeiden, hemmt unsere Entwicklung, unseren persönlichen Fortschritt.

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Ins Leben wachsen
Mich mutig meinen Themen zu stellen und sie in MEINE Bahnen zu leiten ist eine große, lohnende Aufgabe. Ich wachse in meine wahre Klarheit. Gesunde Energie und Aktivität erwachen. Meine Gefühle sind richtig. Ich bin richtig, wichtig und wertvoll!

Auch die Familiengeschichte spricht Bände! Während meiner Ahnenforschung haben sich erstaunliche Zusammenhänge herausgestellt. „Unsere“ Schulmediziner sind sehr aufgeschlossen und beziehen diese Erkenntnisse in ihre Forschungen mit ein.

Seelische Wunden heilen, die keine Therapie auch nur im Ansatz entlarvt hat. Die zunehmende Klarheit entfesselt gesunde Energien, körperliche Krankheiten lösen sich – sehr langsam. Ganz zart beginnt das Leben, echte Freude zu machen. Ich lerne mich kennen als liebenswerte Frau mit Wünschen, Sehnsüchten und Visionen. Es ist noch ein weiter, steiniger Weg, aber die Richtung stimmt.

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1 Kommentar zu „Scham, Schuld und Schande erlösen“

  1. Liebe Felicitas!
    Sei von Herzen gedankt für deinen „mitreißenden“ Bericht – ich konnte deinen Schmerz, deine Verzweiflung, deine Resignation, deinen innere Zerissenheit spüren.
    und natürlich habe ich sie auch wiedererkannt.
    Es überrascht mich immer wieder, dass „da draußen“ scheinbar so wenig darüber gesprochen wird, welche Auswirkungen das Leben unserer Ahnen auf uns hat – ich denke dann immer: „Wenn es denen, die den Kongress miterlebt haben, so ergangen ist, wo sind denn dann all die Anderen, die ihre Wunden ebenfalls anschauen müssten, um Heilung erfahren zu können.,
    Und dass Heilung möglich ist, hast du in deinem Beitrag ja deutlich gezeigt.
    Ich wünsche mir, dass unsere Geschichten in die Welt getragen werden, damit viele daraus den Mut schöpfen, auch ihre Geschichte anzuschauen und zu heilen

    Herzensgrüße
    Imke

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