Kriegsenkel Kongress Franz Ruppert

Kriegsenkel-Gespräch: Prof. Dr. Franz Ruppert

Auszug aus dem Kriegsenkel-Buch zum Kriegsenkel-Kongress 
(erscheint voraussichtlich Ende Juli) 

Ein Beitrag von Angelika Henke

Was die menschliche Psyche traumatisiert und wie sie wieder ganz werden kann

Franz Ruppert ist Professor für Psychologie und Psychologischer Psychotherapeut. Er hat die Identitätsorientierte Psychotraumatherapie (IoPT) entwickelt und bietet im In- und Ausland Seminare mit der daraus abgeleiteten Anliegen-Methode an. Er ist Autor zahlreicher Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Franz Ruppert hat die Wirkung von Traumata auf die Individualität erforscht und eine eigene Methode zur Heilung entwickelt. Er ist ein weltweit gefragter Spezialist und seine Veröffentlichungen sind in vielen verschiedenen Sprachen erschienen. Sein System der Heilung, seine Ideen und seine wohlwollende Art hat sich in der ganzen Welt verbreitet.

Eigene Traumabiografie
Franz Ruppert hat lange an die Ideologie einer schönen Kindheit geglaubt. Erst relativ spät erkannte er, dass die Erlebnisse seiner Eltern Einfluss auf sein Leben hatten. Seine Eltern waren beide schwer traumatisiert und agierten ihre Ängste in Wut und Aggressionen gegenüber ihren Kindern aus.

Sein Vater war ein Flüchtlingskind. Den Verlust seiner Heimat hatte er niemals verwunden. Seine Mutter war 18 Jahre alt, als ihr Vater kurz nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft tödlich verunglückte. Zwei Onkel, mit denen sie sich stark verbunden fühlte,  waren aus dem Krieg nicht zurückgekommen.

Was genau ist ein Trauma?
Trauma ist grundsätzlich eine Verletzung der menschlichen Seele. Ein Psychotrauma entsteht aus einer völligen seelisch-geistigen Überforderung, aus der man sich nicht befreien kann. Dann schaltet die Psyche in einen Notfallmechanismus um. Dazu wird die Realität verzerrt, so dass sie wieder erträglich ist. Die Psyche arbeitet nicht so, wie es ihre eigentliche Aufgabe ist. Um zu überleben, spaltet sie das Unerträgliche ab. Das bedeutet: Wir haben in uns Überlebensstrategien, die uns dazu veranlassen, die Realität auszublenden. Die menschliche Psyche wird zu einem geschlossenen System, dass sich neuen Erkenntnissen widersetzt, sich selbst schadet und auch anderen schadet.

Wie können Traumata weitergegeben werden?
Kinder können gar nicht anders als sich in die emotionalen Schwingungen der Eltern einzufühlen. Sie können sich vor Angst oder anderen bedrohlichen Gefühlen nicht schützen. Sie nehmen die Traumagefühle der Eltern als Ersatz für Bindungsgefühle, sie haben keinen Bezugspunkt in sich selbst und identifizieren sich mit dem, was sie außen wahrnehmen. Die Traumagefühle liegen wie ein Schleier über der Familie. Die vom Trauma bestimmte Haltung wird „normal“. Und was „normal“ ist, wir nicht hinterfragt.

Das ist einer der Gründe, warum Kinder ganze traumatische Sequenzen in sich aufnehmen. Es ist dann fast so ist, als wären sie damals im Krieg oder auf der Flucht gewesen, obwohl sie es nicht waren. Wenn Kontakt zur Großeltern-Generation besteht, geht diese Verbindung zu den Traumata auch noch eine Generation weiter zurück.

Eltern, die von ihren Gefühlen abgeschnitten, ständig gestresst und in Überlebensstrategien mit Mühe ihren Alltag bewältigen, können den Kindern nicht ausreichend emotionalen Kontakt, geistiger Orientierung und Liebe geben. Wenn eine Mutter schon während der Schwangerschaft überfordert war (durch Flucht, Vertreibung, Verlust) hat es Auswirkungen auf das Kind im Mutterleib. Im späteren Leben kann es sich in einem Lebensgefühl von „Ich bin zu viel“ oder „mir ist alles zu viel“ äußern.

Woran erkennt man Überlebensstrategien?
Wir leben in einer traumatisierten Gesellschaft. Um ein Trauma überleben zu können, müssen Überlebensstrategien entwickelt werden. Diese sind sehr vielfältig und oft nicht als solche zu erkennen. Jedoch ist es grundlegend wichtig, die eigene Trauma-Überlebensstrategie zu entlarven.

Überlebensstrategien behaupten immer: „Es gibt keine Alternative!“ oder „Das ist von Natur aus so!“ Immer, wenn es dogmatisch wird, kann man davon ausgehen, dass es sich um eine Überlebensstrategie handelt. Selbstkontrolle und Kontrollzwang zählen dazu. Auch Themen wie Beziehungssucht, immer im Außen sein, immer was erleben müssen, immer sich ablenken, etwas klein reden, beschönigen oder nicht wahrhaben wollen sind typische Überlebensstrategien. 

Immer im Kopf zu sein und keinen Zugang zu den Gefühlen zu haben, ist auch ein Merkmal. Menschen klagen häufig über Stress. Jemand der traumatisiert ist, kann nicht ohne Stress leben. Der Stress wird benötigt, damit Trauma-Gefühle nicht hochkommen.

Trauma ist keine Krankheit
Ein traumatisierter Mensch ist kein kranker Mensch, sondern ein Mensch, der mit seinen psychischen Ressourcen eine traumatisierende Situation überlebte. Trauma ist keine Krankheit, sondern eine Erklärung.

Die Auswirkungen der grauenvollen Erlebnisse der Kriegs-und Nachkriegszeit haben ihre Spuren in so gut wie allen Menschen hinterlassen. Die wunderbare Botschaft von Prof. Ruppert ist: Wir können die persönlichen Störungen in unserer traumatisierten Gesellschaft überwinden und Frieden in unseren Herzen finden.

Fragen zur Selbst-Reflektion

  • Welchen Bedingungen waren deine Eltern/ Großeltern während oder nach dem Krieg ausgesetzt? 
  • Welche Strategien haben deine Vorfahren entwickelt, um zu überleben?
  • Gibt es Verhaltensweisen an dir, mit denen du dir schadest?

Krieg ist Trauma! Trauma zu heilen ist fundamentale Friedensarbeit.Kr

Angelika Henke

Angelika Henke

  • Coaching und Beratung
  • Tierkommunikation
  • Systemischen Aufstellungen
  • Energiearbeit

Angelika unterstützt Menschen dabei, ihr Herz zu öffnen und ihre Herzkraft zu erschließen. www.angelika-henke.de

Das Kriegsenkel- Buch wird voraussichtlich Ende Juli als e-Book erscheinen 

Möchtest du es in Druckform erhalten, so bitten wir um Vorbestellung per E-Mail an info@kriegsenkel-kongress.de (19,50 €) 

Webseite von Prof. Dr. Franz Ruppert
www.franz-ruppert.de

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