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Aus dem Schatten ins Licht

Wie Du den Schmerz der Ahnen in Mitgefühl und Liebe umwandelst

Ein Gastbeitrag von Petra Zühlke

Dieser Beitrag könnte Dich triggern, wenn Du noch mit vielem im Widerstand bist. Es kann sein, dass alter Schmerz – der gar nicht mal Dir gehören muss – sichtbar wird. Weil Du in dem Moment, in dem Du diesen Beitrag liest, mit etwas in Resonanz gehst. Letztendlich dienen Trigger dazu, etwas sichtbar zu machen. Denn nur was sichtbar ist, kann transformiert werden.

Mein Prozess des „Erwachens“ begann vor gut vier Jahren. Ich tat mich schwer, Freunde zu finden und echte Nähe herzustellen. In Beziehungen fühlte ich mich eingesperrt und konnte Nähe nicht zulassen. Auch Sexualität war ein Thema, mit dem ich mich immer schwergetan habe. Ich habe es – vermutlich wie viele andere Frauen oder Männer – über mich „ergehen lassen“.

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich Trauma mir trage. Ich dachte, ich hätte eine gute Kindheit. So haben mein Bruder und ich teilweise mit bis zu 17 Kindern auf der Straße gespielt. Die Eltern waren über 40 Jahre verheiratet und wirkten glücklich. Nach außen schien alles „normal“.

Ich wusste zwar, dass mein Vater und seine Familie im Krieg alles verloren hatten. Doch erst nach meinem eigenen Prozess – auf den ich weiter unten zu spreche komme – habe ich mich mit den Ahnen beschäftigt auf der Suche nach Antworten, wobei mir auch der Kriegsenkel-Kongress sehr geholfen hat.

Vernichtung der Existenz

die großmutterMeine Familie stammt aus Vorpommern. Die Kindheit war mit einem Schlag vorbei, als die Russen kamen. Meine Großmutter wurde, wie viele andere Frauen, Opfer der brachialen Gewalt. Die Familie hatte 24 Stunden Zeit, ihre Heimat zu verlassen. Mein Vater war damals 10 Jahre alt. Sie flohen zunächst in ein Auffanglager in Flensburg. Der Großvater entschied sich, mit zwei der sechs Kinder dort zu bleiben. Mein Vater hingegen machte sich mit drei weiteren Geschwistern auf den Weg in den Süden. Sie waren zwei Jahre auf der Flucht und erlebten in der Zeit Angst, Hunger – aber auch Missbrauch. Die Zwillingsschwester meines Vaters konnte das Grauen nicht ertragen. Sie war mehrmals in der geschlossenen Anstalt und nahm sich kurz nach meiner Geburt das Leben. 

Auch meine Mutter hat gekappte Wurzeln. Nach einer lieblosen und einsamen Kindheit verließ sie mit 18 ihre Heimat. Als Kind war sie mehrmals in einem Kurheim am Meer. Ich vermute, sie war eines der sogenannten „Verschickungskinder“, da sie sich zeitlebens geweigert hat, zu Ärzten oder zur Kur zu gehen. Sie hat sich mit Alkohol betäubt.

Eltern – Kind – Beziehung
Diese Überdosis an Schmerz – der Verlust der Heimat, der Unschuld, der Kindheit, aber auch Missbrauch, Mord und Selbsttötung hat unser ganzes Leben als Kinder mitbestimmt. Unsere Eltern waren innerlich erfroren und verschlossen ihr Herz, um nicht mehr fühlen zu müssen. Denn fühlen hätte bedeutet, diesen furchtbaren Schmerz wieder ins Bewusstsein zu holen. Es war viel sicherer, ihn wegzusperren und das Leben auf „Autopilot“ umzustellen. Sie haben all das weggesperrt, was sie ausgezeichnet hat. Ihre Persönlichkeit. Ihre Einzigartigkeit. Ihre Freude, ihr Lachen, ihre Liebe. Sie haben uns Kinder sicher geliebt – nur konnten wir diese Liebe nicht fühlen.

Wir sind also in einem – nach außen zwar stabilen und – guten – Elternhaus aufgewachsen. Aber Kinder – egal wie alt sie sind – spüren alles. Alles Zwischenmenschliche. Alles unausgesprochene. Es sah nach außen harmonisch aus, aber die Distanz zwischen Eltern und Kindern war immer spürbar. Herzlichkeit, Umarmungen, Kuscheln, Wärme, Zuneigung – das kannten wir nicht. Es schien, als würden uns unsere Eltern vom Kopf her das geben, was wir brauchen. Aber das, was unsere Seele genährt hätte, konnten sie uns nicht geben. Im Nachhinein gesehen sind wir Kinder innerlich erfroren – und haben genau diese Distanz und Kopflastigkeit weitergelebt. Wir waren seelenlose Wesen. Überangepasst – so wie wir es gelernt hatten.

Lebe angepasst und verhalte Dich unauffällig
Unsere Eltern haben sich verbogen, um zu überleben. Sie haben sich angepasst, damit sie nicht auffallen. Es zählte Anpassung um jeden Preis. Teil des Systems zu sein. Wer anders ist als das System vorgibt, ist in Gefahr. Und das musste vermieden werden. Also wurde auch nicht über Gefühle oder Ereignisse gesprochen. Uns wurde auch nicht beigebracht, wie Liebe aussieht und sich anfühlt. Wir konnten keine Grenzen setzen und waren daher die geborenen Opfer. Erst in der Schule und später im Job.

Wie lebt und fühlt ein Kriegsenkel?
Ich habe mich immer wie das schwarze Schaf der Familie gefühlt. Es fiel mir schwer, Freunde zu finden. Oder tiefgehende Freundschaften oder Beziehungen einzugehen. Egal, wie sehr ich mich angestrengt habe. Und ich habe mich immer und überall angestrengt. In Beziehungen, im Job – ich wollte einfach nur gesehen und geliebt werden. Dabei habe ich übersehen, dass ich mich für dieses „geliebt-werden“ verbogen und mich selbst immer mehr aus den Augen verloren habe. Ich nahm alles wahr, als säße ich in einer gläsernen Kuppel. Ich war in dieser Kuppel gefangen – und das Leben fand draußen statt – jenseits der Kuppel. Und egal, was ich tat oder wie sehr ich mich angestrengt habe: ich konnte keinen echten Kontakt zu den Menschen herstellen!

mein vater

Mein Vater hat fast nur gearbeitet, um uns ein Leben zu bieten. Er war nie da und wenn er mal Zeit hatte, war er distanziert. Meine Mutter war emotional unerreichbar. Sie hat sich betäubt, um nicht fühlen zu müssen. Sie starb mit 62. Ich trauerte zwar, aber irgendwie war immer das Gefühl da, ich könne ihr nicht verzeihen – obwohl ich damals nicht mal wusste, was es zu verzeihen gab. Ich dachte, es läge daran, dass sie uns so geliebt hat, wie sie es hätte tun sollen.

Ich war in meinem Leben überwiegend Single und verliebte mich treffsicher in Männer, die mich nicht wollten. Oder ging eine Fernbeziehung ein. Wenn es mir „zu eng“ wurde, begann ich, die Beziehung zu sabotieren. Auch bei Freunden handelte ich ähnlich. Kamen sie mir seelisch zu nahe, habe ich die Freundschaft sabotiert und war die reinste Kratzbürste.

Das hat mich innerlich sehr einsam gemacht. Ich habe dennoch Freunde gefunden – Menschen, die ähnlich tickten wie ich. Die auch „im Kopf“ lebten und distanziert waren. Heute weiß ich, ich musste mir solche Freunde suchen. Sie – wie auch die Männer – waren keine Gefahr für mich. Ich konnte sie an mich ranlassen und akzeptieren, wenn sie diese gewisse Distanz zu mir hielten. Wer das nicht tat, flog aus meinem Leben.

Ich habe mir meinen Schutzraum erbaut. Ich brauchte das Alleinsein, um meine Energien wieder aufzubauen. Die Jobs waren anstrengend. Ich habe mir auch hier treffsicher Jobs gesucht mit viel Arbeit, die schlecht bezahlt waren. Also war auch immer ein finanzieller Mangel da. Und ich habe so viel gearbeitet, dass es mich viel Kraft gekostet hat. Das konnte ich zwar über Urlaube wieder ausgleichen – aber irgendwann funktionierte auch das nicht mehr. Ich kam nach den Urlauben erschöpft ins Büro. Zeitgleich wurde mein Vater nach und nach zu einem Pflegefall. Und irgendwann stand ich alleine – erschöpft und „verbissen“ (was sich auch in starkem Bruxismus bemerkbar machte) mit dem Rücken zur Wand. Dann starb mein Vater – und ich fühlte mich schuldig.

Ich war am Ende. Ich konnte nicht mehr. Aber ich habe weitergemacht – weil meine (inneren) Programme mich weitergetrieben haben. Nur kein Stillstand. Der Hamster musste weiter treppeln. Hätte ich aufgehört, wäre da plötzlich Stille gewesen. Und die hätte Gefahr bedeutet.

Die eigenen Wunden werden sichtbar
2016 schlug das Schicksal zu in Form meines Seelenpartners. Der dazu diente, mir meinen Schmerz sichtbar zu machen, den ich in mir trug. Und zeitgleich begann ich, die Kontrolle über mein Leben und meine Gefühle zu verlieren. So brach mit der Zeit alles auseinander. Und ich begann, mich auf die Suche zu machen.

Der Schmerz wiederholt sich in Dir – damit er SICHTBAR wird
Ich arbeitete mit meinem Mentor, einem Heiler, zusammen. Über ihn lernte ich mein inneres Kind kennen – das Kind, das ich einst war. Und dieses Kind offenbarte mir nach und nach, was es in sich trug: Missbrauch. Eine überlebte Abtreibung. Den Zwillingsbruder, der über die Abtreibung vor seinen Augen gestorben war. Und obwohl mich der Schmerz jedes Mal betäubte, habe ich mich entschieden, aktiv in die Heilung zu gehen. Denn: ich war ja schon mein Leben lang Opfer. Und so fand mich auch immer regelrecht das, was ich im Moment gebraucht habe. Und bin innerhalb von 2 1/2 Jahren durch meinen Schmerz gespült worden.

Parallel entdeckte ich auch, dass diese ganzen Wunden Wiederholungen waren. Dass unser eigener Schmerz eine Wiederholung des Schmerzes unserer Ahnen ist. Damit er endlich sichtbar wird! Denn nur was sichtbar ist, kann transformiert werden. So wurde ich über meinen eigenen Prozess zur spirituellen Lehrerin, Coach und Heilerin.

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Wertvolle Erkenntnisse
Die Eltern konnten uns nicht geben, was wir als Kind so dringend gebraucht hätten. Sie waren nicht in der Lage dazu. Ihr eigener Schmerz hat sie zu Gefangenen gemacht. Sie haben nur existiert. Es ging nur darum, zu überleben.

  • Spüre mal in Dich rein: was macht diese Aussage mit Dir?
  • Verurteilst Du die Eltern und beschuldigst sie, dass sie dich nicht geliebt haben?

Sie haben Dich geliebt. Aber sie waren nicht in der Lage, es Dir zu zeigen. Und noch weniger, Dich diese Liebe oder das Urvertrauen spüren zu lassen.

Der Schlüssel zur Heilung
Wie wäre es, wenn Du dem Leid der Ahnen – auch wenn Du eigenen Schmerz in Dir trägst – mit Liebe und Mitgefühl begegnest?

Weil Du beginnst zu verstehen: sie konnten es einfach nicht. Auch wenn sie es versucht haben!

Wenn Du das nun für Dich beginnst zu akzeptieren, kann tiefe Vergebung geschehen. Und somit Heilung!

Und dann kannst Du anfangen, deine eigenen Wunden zu heilen. Du kannst anfangen, dich zu lieben und Wurzeln zu bilden. Das darfst Du auch. Du darfst dich lieben – so wie Du bist. Mit all den Wunden oder ungefühlten Gefühlen.

Vielleicht magst Du sogar noch einen Schritt weiter gehen?
Und Dich entscheiden, von nun an als Erwachsene(-r) dem Kind, das Du einst warst, all das zu geben, was es gebraucht hätte. So als ob Du an die Stelle der Eltern trittst. Du begegnest dem Kind mit Liebe. Du stärkst Eure Wurzeln. Damit geschieht Heilung aus deinem Innersten heraus. Aus dir heraus.

Ich bin diesen Weg gegangen.
Als ich endlich verstanden habe, war es so leicht, in die Vergebung zu gehen. Und Vergebung ist unendlich heilsam. Es fühlt sich an, als kommst du aus einer Erstarrung heraus. Als ob der Funke in Dir wieder beginnt zu leuchten. Es wird Dir so viel Kraft geben, von nun an dein Leben zu meistern. Und auch die Schritte zu gehen, die Du für deine eigene Heilung brauchst.

Ich kann Dich auf Deinem Weg begleiten

petra zühlke

Heute helfe ich Menschen, im Leben anzukommen, Wurzeln auszubilden und zu verkörpern. Und ich bringe sie auch in Kontakt mit ihrer Seele. Denn im Grunde ist alles in uns enthalten, was wir brauchen. Wir müssen uns nur wieder erinnern – dass wir die Kraft haben, aus uns heraus Wurzeln zu bilden oder Vertrauen ins Leben zu erhalten. Das kann auch niemand anderes für uns tun.

Meine Geschichte findest Du auch auf YouTube. Für den Einstieg ist „das verschlossene Herz“ gut geeignet: https://youtu.be/3EtBoN3u9cE  

In meiner Facebook Gruppe „Öffne das Tor zur Seele – fühle Dich geliebt und willkommen in Deinem Leben“ geht es ums Ankommen im Leben: https://www.facebook.com/groups/oeffnedastorzurseelefuehledichgeliebtundwillkommen

Oder buche ein kostenfreies Erstgespräch mit mir:
https://calendly.com/petrazuehlke-spirituellescoaching/dein-30min-gratis-gespraech

Deine Petra Zühlke

5 Kommentare zu „Aus dem Schatten ins Licht“

  1. Hallo liebe Christiane,
    es tut mir leid, wenn mein Beitrag viel in Dir getriggert hat. Ich hoffe, Du bist trotzdem stabil. Wenn nicht, kannst Du gerne auch eine meiner Meditationen machen, die ich auf youtube habe, z.B. die zum inneren Frieden.

    Als ich den Schmerz der Ahnen angeschaut habe, habe ich nur noch geweint. Aber jede Träne bringt uns weiter. Weil sie ungefühlte Gefühle frei setzt. Und man darf diesen Schmerz auch fühlen. Denn wenn wir ihn anschauen, wird er uns befreien. Weil wir verstehen: vieles ist gar nicht unser Schmerz. Nur haben wir ihn als Teil von uns angenommen. Aber wir dürfen den Ahnen ihren Anteil zurück geben. Und uns das zurückholen, was zu uns gehört. Das ist natürlich ein Prozess. Es darf einem vieles auf der „Reise“ bewusst werden. Und wenn es sichtbar wird, können wir es in die Heilung führen.

    Ich bin sehr froh, hingeschaut zu haben. Mein Bruder z.B. verweigert sich dem ganzen Thema. Aber mich hat er frei gemacht. Ich kann nun mit soviel Liebe auf die armen Eltern schauen, die versucht haben, ihr Bestes zu geben. Wir dürfen nämlich auch unsere Eltern lieben – egal, was sie (aus Schmerz) getan haben.

    Fühle Dich umarmt. Du bist auf einem guten Weg.

    Liebe Grüße,
    Petra

  2. Vielen Dank für diese Geschichte. Vieles davon hat bei mir angeklungen, da auch mein Vater aus der Heimat vertrieben wurde. Gefallen hat mir der Ausdruck des emotionalen Eingefrorenseins. Das trifft es recht gut. Dank Klopfen habe ich schon vieles verstehen, aufnehmen und lösen können. Es ist ein Prozess, der immer noch andauert.

    1. Danke Dir, liebe Sabine. Ja – wir dürfen unseren ganz eigenen Weg finden, diese Gefühle, die noch in uns gespeichert sind, aufzulösen. Und immer mehr in uns anzukommen.

  3. Christiane Noack

    Ich fühle mich zutiefst getriggert und dachte doch, ich sei auf dem Weg der Heilung schon weiter vorangekommen.
    Wir sind so viele!
    Danke für Deinen Mut, Deine Geschichte mitzuteilen.

    1. Hallo liebe Christiane,
      ich habe Dir geantwortet. Den Beitrag hat’s leider verschoben. Schaue bitte mal auf den neuesten Kommentar, liebe Grüße, Petra

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